Brunswick, Therese (1775-1861)                   


Unter das Bild der Therese Brunswick:
Unverstanden von ihrer Zeit und ihrem Lande
Haßte sie niemand, liebte sie keinen
und das heurige glühende Herz
verglom in ungeheurem Schmerz
bis die in Asche zerfiel. 
(Therese von Brunswick, 1838)
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Das Leben der Gräfin Therese von Brunswick
(1775-1861)

1775 - Am 27. Juli ist Therese in Preßburg (heute: Bratislava, Slowakei) geboren. Mutter: Baronin Anna Seeberg, Vater: Anton Brunswick jun., Sekretär des Hofkammers (später: Geheimrat, Obergespan, königl. Kommissär)
            7. Okt.: Der Großvater, Anton Brunswick sen., als Staatsbeamter von hohem Range (beim Ungarischen k. k. Hofkanzlei) erwirbt den Grafen-Titel
1785 wird Martonvásár bzw. Buda der Wohnort der Familie
1788-1789 - Einerhalb Jahr in einem Wiener Mädchen-Erziehungsanstalt
1793 Tod des Vaters (5.Nov.)
1799 Monat Mai in Wien. Therese und ihre jüngere Schwester Josephine nehmen Klavierunterricht von L. van Beethoven. Anfang einer lebenslänglichen Freundschaft zwischen des Tondichters und der Familie Brunswick.
           Josephinens Ehe mit dem Wiener Graf J. Deym
1804  Deym's Tod (27. Jänner)
1804-1807 Liebe zwischen Josephine und Beethoven
1805 Brautstand von Therese mit dem Rittmeister Anton Szily. Die Heirat wird von der Familie verhindert.
1806 (3. Juli) Geburt Theresen's Nichte, Gräfin Blanka Teleki
1808 (Aug.) - 1809 (Juli) Erste ausländische Reise von Therese (Deutschland, Schweiz, Italien
Beginn ihrer Selbsterziehung und des Tagebuchschreibens
1808 Sech Wochen (Okt.-Nov.) im Erziehungsinstitut des berühmten schweizer Pädagog H. Pestalozzi (Yverdun)
1809 Pisa (29. März): Gotterlebnis (Widergeburt) Theresen's. Ihre Berufung: die geistige Mutterschaft (Unterstützung bedürftiger Kinder und "Menschenzüchtung" durch Erziehung).
1810-1816 Dienst an Josephinen's Familie nach ihrer Kinder in Wien, Martonvásár und im mährischen Landgut Wittschap
1817 Rückkehr nach Buda. Theilnahme an der Gründung des Budaer Wohltätigen Frauenvereins.
1817-1819 Freundschaft und Liebe zum Grafen Ludwig Wilhelm Migazzi
        Therese und ihre Mutter nehmen die kleine Halbwaise, Luise Derecskey zu sich
1821 Josephinen's Tod (31. März)
        Theresen's Gedichte im Vaterländischen Almanach für Ungarn
1821-1823 In ihren Tagebüchern: Pläne von Institutsgründungen und der Mädchenerziehung 
1825-1828 Blanka Teleki in Buda.
          Therese engagiert sich für die Erziehung bekannter Töchter
1827 Todesjahr von Pestalozzi und Beethoven
1828 Buda (am 1. Juni): in der Budaer Miko Straße eröffnet Therese die erste "Kleinkinderschule" d. h. Kinderbewahranstalt (englisch: infant school) Mitteleuropas. Daneben gründet sie auch eine 'Industrieschule' für Kinder
1829 Eröffnung drei weiterer Pest-Budaer Kinderbewahranstalten und noch eine auf dem Lande
1830 Tod Theresen's Mutter
         Zwei Kleinkinderschulen in Preßburg und drei in Wien, unter ihrer Mitwirkung
         In Pest-Buda gründet sie den National-Verein zur Unterstützung des Kleinkinderschulwesens
1831 Epidemie (Cholera) in Ungarn
1832 Neuere Kleinkinderschulen in Pest und Nagyszombat (heute: Trnava, Slowakei)
          Den National-Verein wurde vom Palatin Joseph aufgelöst; er stellt die Verantwortung für Theresen's Budaer Kleinkinderschulen unter den Kompetenzkreis des Budaer Frauenvereins
1833-1834 Therese in München und Ausburg
1835 (Jan.-Sept.) in Italien (Rome, Neapel, Pisa, Firenze)
1836 Theilnahme an Sitzungen des neuen Verein für Verbreitung der Kleinkinderschulen in Ungarn (bis April)
1836 (Apr.) -1840 (Nov.) im Auslande (Dresden, München, Genf, Paris, London usw.) Sie propagiert die Kinderbewahrsanstalten und besucht verschiedene Instituten
1840 (Ende Nov.): Niederlassung in Pest
         Friedrich Fröbel begründet in Blankenburg den ersten Kindergarten
1841 Neuere Kleinkinderschulen in Arad und Világosvár
1842 Fröbel's Brief an Therese (ausführliche Beschreibung über seine pädagogischen Ansichten und Methoden)
1844 Theresen's Zeitungsartikel in der Zeitschrift Világ ("Plan und Aufruf zur Schaffung eines Institut für die Ausbildung ungarischer Erzieherinnen für Mädchen")
1845 Planung der Einführung Fröbels Methoden in einer Kleinkinderschule von Pest
1846 Therese beginnt ihre Memoiren zu schreiben.
          Ihre "geistige Tochter", Blanka Teleki eröffnet in Pest eine Erziehungsanstalt von patriotischem Geist für die Töchter der ungarischen Aristokratie
1848-1849 Die Zeit der Revolution und des Freiheitskampfes gegen Österreich verbringt Therese, begeisternd für die ungarischen Angelegenheiten in Pest.
1849 Unter ihrer Mitwirkung entsteht eine Kleinkinderschule (1. August) in Buda
1850 (Aug.-Okt.) Besuch bei Blanka Teleki in Pálfalva (Paulesti neben Satu Mare, Rumänien)
1851 Blanka wird wegen ihren "politischen Umtrieben" (Unterstützung der Flüchtlinge, Verbreitung der Bücher mit revolutionärem Inhalte, Sammeln der Publikationen und sonstigen Reliquien des Freiheitskampfes usw.) verhaftet. Ihre Untersuchungshaft in Nagyvárad und Pest. Hausuntersuchung in der Theresen's Wohnung
1852 Verhör von Therese im Kriegsgericht
1853 Urteilsverkündigung (Ende Juni) im kriegsgerechtlichen Prozeß gegen Blanka Teleki. Sie wird mit zehnjähriger Festungsarrest bestraft. (Die Anklage gegen Therese wird 1854 fallen lassen.)
1853-1857 Blanka Teleki in Kufstein und Laibach (heute: Ljubljana)
1855 Therese beendigt ihre Memoiren und das Tagebuchschreiben
1856 Die letzte Kleinkinderschule-Gründung in Buda
         Therese siedelt zu ihrer Cousine Gräfin Forray nach Vácduka
1857 Blanka Teleki's Befreiung (13. Mai) durch allgemeiner Amnestie. (Vom Herbst bis ihrem Tod (1862) lebt sie in Emigration (München, Stuttgart, Dresden)
1859 Theresen's letztes Treffen mit Blanka Teleki (in Dresden)
1861 - 23. Sept. Sie ist in Vácduka gestorben.
            27. Sept. Ihr Begräbnis in Martonvásár


Gräfin Therese Brunswick (1775-1861). Zusammengestellt und herausgegeben von Mária HORNYÁK. Martonvásár, 20002. S. 25-27. (Hefte Őrláng No. 6.)